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So bestimmst du dein zukünftiges Gehalt

Schritt 1: Deinen persönlichen Gehaltsspielraum definieren
Bevor du Gehälter recherchierst, ist es wichtig zu wissen, was du brauchst und was du dir wünschst. Folgende Fragen können dir helfen ein wenig Klarheit zu bekommen:

Wie viel brauchst du mindestens, um deine Lebenshaltungskosten zu decken, inklusive Miete, Versicherungen, Mobilität, Freizeit und Rücklagen?
Achtung: Nach dem Studium ändern sich oft die Ausgaben. Wohnst du in einer neuen Stadt? Musst du pendeln? Steigen die Mietkosten?

Welches Gehalt würde dir mehr finanzielle Freiheit ermöglichen? Damit könntest du dir Extras leisten, die dir wichtig sind, z. B. Urlaubsreisen, größere Anschaffungen oder ein finanzielles Polster.

Überlege dir, was du brauchst für ein gutes Leben. Bedenke aber auch stets, wo ein marktgerechtes Gehalt für deine Qualifikationen und Erfahrungen liegen würde. Du solltest ein Gehalt angeben, was den Wert deiner Arbeit spiegelt und nicht nur deine Lebenserhaltungskosten deckt. Im Folgenden erfährst du, wie du dein realistisches Einstiegsgehalt recherchieren kannst.
Schritt 2: Recherchiere dein realistisches Einstiegsgehalt
Um deinen Gehaltswunsch gut begründen zu können, solltest du wissen, was andere mit vergleichbarem Profil in vergleichbaren Positionen verdienen. Nutze verschiedene Quellen und kombiniere Daten, je mehr, desto besser!

So gehst du vor:
  • Informiere dich online über Gehälter in deiner Branche.
  • Falls du gerade Werkstudent:in oder Praktikant:in in einem Unternehmen bist: Suche Infos im Intranet der Personalabteilung. Welche Gehaltsstufen gibt es dort und welche Verantwortlichkeiten und Qualifikationen gehen damit einher? Es lohnt sich auch, diese Informationen anzuschauen und ggf. für einen späteren Zeitpunkt zu speichern.
  • Aktiviere dein Netzwerk und befrage Freunde, Bekannte, Alumni und Unternehmensinterne.
  • Berücksichtige dabei das konkrete Aufgabenprofil aus der Stellenanzeige.
  • Achte darauf, ob die Zahlen sich auf Einstiegsgehälter oder auf Gehälter mit Berufserfahrung beziehen.
  • Beachte relevante Einflussfaktoren wie Region, Unternehmensgröße, Branche oder Abschluss (s.u.).

Informationsquellen
Für deine Online-Recherche kannst du verschiedene Quellen, wie Statistiken (z.B. Gehaltsvergleiche (u.a. Destatis), Gehaltsreports (u.a. Stepstone), Entgeltatlas der Agentur für Arbeit), Gehaltsinfo-Websites (u.a. Lohnspiegel.de, Gehalt.de, Glassdoor, Kununu), Branchen- und Berufsportale (z.B. get-in-it.de, get-in-engineering.de) oder Websites von Berufsverbänden nutzen. Sprich uns gerne an, wenn wir dich bei der Suche nach Informationsquellen unterstützen können.

Dein persönliches Netzwerk
Sprich mit Kommiliton:innen, Alumni oder Bekannten aus der Branche und/oder in ähnlichen Positionen. Oder frage direkt bei Unternehmensvertreter:innen nach, z.B. bei Networking-Events. Diese könntest du z.B. so ansprechen:
„Mir ist bewusst, dass Sie keine genauen Zahlen nennen können. Wenn ich für die Position XY einen Gehaltswunsch zwischen X und Y Euro angebe – liege ich damit ungefähr richtig?“

Diese Faktoren solltest du bei deiner Einschätzung berücksichtigen:
  • Region: In Süddeutschland und Ballungszentren sind Gehälter oft höher.
  • Branche: Industrie oder Finanzwesen zahlen häufig mehr als z. B. Kultur, Bildung oder Non-Profit.
  • Unternehmensgröße: Größere Unternehmen zahlen häufig mehr als kleine.
  • Studienfach: Fächer wie Ingenieurwesen, Medizin oder Informatik bieten oft höhere Einstiegsgehälter.
  • Studienabschluss: Mit einem höheren Abschluss (Master/Promotion) steigt in der Regel auch das zu erwartende Einstiegsgehalt.
  • Berufsfeld und Position: Das Berufsfeld, und Anforderungen an die Stelle, z.B. Berufserfahrung, Verantwortung, Dienstreisen und Spezialisierung können das zu erwartende Gehalt beeinflussen.
  • Wirtschaftliche Lage: Die gesamtwirtschaftliche Situation, die Branchensituation sowie die individuelle Situation des Unternehmens (z.B. Auftragslage) können Einstiegsgehälter beeinflussen.

Sonderfall: Tarifvertrag
Tarifverträge regeln neben dem Gehalt auch Wochenendarbeitszeit und Urlaubsanspruch. Du kannst direkt in der Stellenanzeige oder per Internetsuche herausfinden, ob und wenn ja, welcher Tarifvertrag für eine bestimmte Stelle gilt.
Im Rahmen des Tarifvertrages wird jede Stelle anhand bestimmter Kriterien einer Entgeltgruppe zugeordnet. Für Absolvent:innen gelten meist festgelegte Einstiegs- Entgeltgruppen. Mithilfe der entsprechenden Entgelttabelle kannst du dein zu erwartendes Gehalt ermitteln. Achte dabei jedoch darauf, die Entgelttabelle für das entsprechende Bundesland heranzuziehen.
Beispiel:
Tarifvertrag IG Metall (Metall- und Elektroindustrie): Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss in Baden-Württemberg starten i.d.R. in Entgeltgruppen 12 oder 13. In der entsprechenden Gehaltstabelle kannst du das Monatsentgelt herausfinden. Welche der beiden Stufen angewendet wird, hängt von den oben genannten Faktoren, z.B. Studienabschluss ab. Sonderzahlungen und (Leistungs-)Prämien können hinzukommen (Quelle: IG Metall).
Schritt 3: Deinen Gehaltswunsch festlegen
Hast du deine Recherche abgeschlossen, kannst du dein Wunschgehalt festlegen. Orientiere dich dabei an den recherchierten Werten und behalte dabei das Anforderungsprofil der konkreten Stelle und deine Qualifikation und im Auge.

Persönliche Faktoren einbeziehen
  • Passt dein Profil eher ans untere oder obere Ende der recherchierten Gehälter?
    • Hast du für die Stelle relevante praktische Erfahrung durch Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Auslandserfahrung?
    • Bietest du gefragte Zusatzqualifikationen (z. B. Sprachkenntnisse, Softwarekenntnisse)?

Durchschnittswert bestimmen
  • Nimm die relevanten Werte aus deiner Recherche zusammen und ermittele einen Durchschnitt.
  • Achte dabei darauf, dass du vergleichbare Daten nutzt: z.B. Position, Region, Branche, Unternehmensgröße, Einstiegslevel, etc.

Mit deinem persönlichen Gehaltsspielraum abgleichen
  • Liegt das ermittelte Gehalt mindestens über deinem persönlichen Minimum?
  • Liegt es eventuell in der Nähe eines komfortablen Gehalts für ein für dich gutes Leben? Super!
  • Liegt es darüber? Dann nutze diesen Wert als Gehaltswunsch.
  • Liegt es darunter? Dann überlege:
  • Möchtest du die Stelle trotzdem, z. B. wegen Entwicklungsmöglichkeiten oder Standort? Auch Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsangebote, Aufstiegschancen oder Benefits können einen Unterschied machen. Überlege, welche weiteren Bedingungen dir neben dem Gehalt wichtig sind.
  • Oder suchst du weiter nach besser bezahlten Stellenangeboten?

Tipp: Verhandlungsspielraum einplanen
Ein Puffer gibt dir Spielraum, falls der Arbeitgeber beim Angebot etwas niedriger ansetzt. Ein Aufschlag von 5 bis 10% auf das ermittelte Durchschnittsgehalt ist gängig.

So nennst und verhandelst du deinen Gehaltswunsch

Gehaltswunsch angeben
In der Bewerbung:
Wenn die Gehaltsvorstellung in der Stellenausschreibung gefordert wird, gib sie als Brutto-Jahresgehalt an (inklusive aller fixen und variablen Bestandteile). Platziere sie am besten am Ende deines Anschreibens.

Beachte dabei:
  • Mache genaue Angaben: Beziehe z.B. die Wochenarbeitszeit mit ein.
  • Nenne eine konkrete Zahl: Bei einer Spanne könnte die niedrigere Zahl als Referenzwert betrachtet werden.
  • Gib eine „krumme“ Zahl an: 51.500 € wirkt durchdachter als 50.000 €.

Beispiele:
„Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 48.500 € p.a., inklusive Sonderzahlungen bei 40 Wochenstunden.“
„Auf Grundlage meiner Qualifikationen sowie der branchenüblichen Vergütung liegt meine Gehaltsvorstellung bei 51.500 € brutto jährlich.“
„Meine Gehaltsvorstellung beträgt 47.000 € brutto jährlich. Ich bin jedoch offen für Verhandlungen abhängig von den weiteren Rahmenbedingungen.“
„Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 52.000 € brutto jährlich. Diese Zahl orientiert sich an meiner bisherigen Praxiserfahrung und der marktüblichen Vergütung für vergleichbare Positionen.“
„Meinen beruflichen Qualifikationen entsprechend empfinde ich ein Brutto-Jahresgehalt von 46.570 Euro als angemessen.“

Extra-Tipp: Brutto ist nicht gleich Netto!
Dein Bruttogehalt ist nicht das Geld, das du tatsächlich ausgezahlt bekommst. Mit einem Brutto-Netto-Rechner kannst du herausfinden, was davon real auf deinem Konto landet – je nach Steuerklasse, Sozialabgaben und Wohnort.

Im Gespräch:
Vermeide es im ersten Gespräch das Thema Gehalt anzusprechen. Wenn es mehrere Runden gibt, wird es meist im letzten Gespräch angesprochen. Wird es dennoch zur Sprache gebracht, kannst du deine Gehaltsvorstellung in der Regel ohne ausführliche Erklärungen nennen.
Falls die Gehaltsfrage auch im letzten Vorstellungsgespräch nicht besprochen wird, kannst du nachfragen, ob das Thema heute angesprochen wird oder in einem weiteren Gespräch.

Tipps & Wissenswertes:
  • Keine Sorge, die Gefahr einen zu hohen Gehaltswunsch anzugeben und deswegen nicht berücksichtigt zu werden, ist sehr gering. Die meisten Arbeitgeber werden dich in diesem Fall kontaktieren und sich nach deiner Verhandlungsbereitschaft erkundigen. Nur bei großer Diskrepanz musst du damit rechnen, dass der zu hohe Gehaltswunsch von vorneherein ein Ausschlusskriterium darstellt.
  • Häufig haben (selbst kleinere) Unternehmen bestimmte Einstiegsgehälter festgelegt, sodass du dir keine allzu großen Sorgen machen müssen, „über den Tisch gezogen“ zu werden.
  • Vermeide es einen ungewöhnlich niedrigen Wunsch anzugeben. Es besteht die Gefahr, dass du tatsächlich weniger Gehalt als das eigentliche Einstiegsgehalt erhältst. Auch kann es den negativen Eindruck erwecken, dass du schlecht vorbereitet bist oder bereits viele Absagen im bisherigen Bewerbungsprozess erhalten hast.

Wichtig: Durch sinnvolle Recherche, wie oben beschrieben, kannst du im Normalfall ausschließen, dass du eine viel zu hohe oder niedrige Gehaltsvorstellung angibst.
Gehaltsverhandlung
Vorbereitung: Argumente sammeln

Nachdem du die Stellenanzeige und Gehaltsdaten analysiert hast, geht es darum, deine eigenen Stärken zu identifizieren. Behalte diese Fragen im Blick:
  • Wo liegen meine fachlichen Stärken und Schwerpunkte?
  • Welche praktischen Erfahrungen habe ich bereits gesammelt?
  • Was sind meine Stärken und Talente?
  • Welche konkreten Beispiele belegen meine Kenntnisse und Fähigkeiten?

Passe diese dann auf die konkrete Stelle an, wenn du dich auf dein Gehaltsgespräch vorbereitest:
  • Welche meiner Stärken, Kenntnisse und Erfahrungen sind für die Stelle wichtig und nutzen dem Unternehmen?
  • Welche Eigenschaften machen mich zu einer besseren Wahl als andere Kandidat:innen?

Vorbereitung: Wer verhandelt?
Meistens sind Vertretende aus Personal- und Fachabteilung an den Gehaltsgesprächen beteiligt, in kleineren Firmen möglicherweise auch die Geschäftsführung. Der mögliche Gehaltsrahmen wird oft nicht nur von der Personalabteilung alleine, sondern auch mit Geschäftsführung und Fachverantwortlichen abgestimmt.
Wegen Budgets und anderen Einflussfaktoren hast du oft wenig Spielraum zum Verhandeln. Gute Argumente sind deshalb entscheidend, um ein höheres Gehalt durchzusetzen.

Verhandlungstipps
Argumentation:
Achte auf die Formulierung der Frage. Geht es nur darum deinen Gehaltswunsch zu nennen oder ist eine Argumentation an dieser Stelle schon erwünscht?

Falls du deine Argumente auf Nachfrage schilderst, beachte Folgendes:
  • Zeige, dass du deinen Marktwert kennst und gut vorbereitet bist.
  • Belege deine Argumente (persönliche Fähigkeiten, Kenntnisse) mit konkreten Beispielen. Eigene Ausgaben sind keine gültigen Argumente.
  • Reagiere auf Stressfragen mit sachlichen Argumenten.
  • Frage auch nach Zusatzleistungen und Arbeitsbedingungen
  • Bitte um Bedenkzeit. Gerade wenn das Angebot deutlich von deinem Wunschgehalt abweicht, solltest du alle Bedingungen noch einmal in Ruhe durchdenken.

Verhalten und Körpersprache:
  • Zeige Selbstbewusstsein durch direkten Blickkontakt und eine feste Stimme. Vermeide aber ein arrogantes Auftreten durch z.B. unsachliche Argumentation.
  • Bleibe auch unter Druck höflich und sachlich.
  • Zeige keine übertriebene Dankbarkeit, wenn du dein Ziel erreicht hast. Dein Gehalt ist die Gegenleistung für deine Leistungen, die dem Unternehmen nützen.
Ausblick: Gehaltsverhandlung nach Berufseinstieg
Das Thema Gehalt begleitet dich auch nach dem Berufseinstieg. Hier einige Tipps für deine nächsten Gehaltsgespräche:
  • Bei einem Jobwechsel solltest du ein höheres Gehalt anstreben. Es kann bis zu 20% steigen je nach Position.
  • Möchtest du innerhalb deiner aktuellen Position mehr verdienen, sind die Erhöhungen meist kleiner, passieren dafür jedoch regelmäßig.
  • Alle ein bis zwei Jahre ist es angemessen, das Gehaltsgespräch zu suchen. Bei zu häufigem Anfragen erzeugst du eher Ablehnung.
  • Sprich zuerst mit deine:r direkten Vorgesetzte:n. Vereinbare einen Gesprächstermin mit ausreichend Zeit und wähle einen passenden Moment dafür, z. B. nach einem erfolgreichen Projekt oder im Mitarbeiterjahresgespräch .
  • Starte das Gespräch, indem du Feedback zu deiner Leistung einholst. Damit stehen dir gleich erste Argumente für ein höheres Gehalt zur Verfügung.
  • Bereite aber auch im Vorhinein deine Argumente vor: Zeige deine Erfolge und Leistungen für das Unternehmen und deine Motivation, dich weiterzuentwickeln und mehr Verantwortung zu übernehmen.
  • Informiere dich über die wirtschaftliche Lage deiner Firma und Branche, um ggf. mit weiteren sinnvollen Gegenargumenten reagieren zu können.
  • Nenne eine konkrete Zahl, um zu zeigen, dass du dir Gedanken gemacht hast und weißt, was du willst.

Was ist Gehalt?
„Lohn“ bezeichnet die Bezahlung nach geleisteten Stunden, während sich „Gehalt“ auf ein festes Monatsentgelt bezieht, das unabhängig von der Arbeitszeit gezahlt wird.

Nichtsdestotrotz kann sich das Gehalt aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen, wie zum Beispiel:

Feste Bestandteile:
  • Grundgehalt: monatliches Festgehalt
  • Urlaubs-/Weihnachtsgeld: Sonderzahlung, die einmalig oder anteilig monatlich ausgezahlt wird.

Variable Bestandteile:
  • Überstunden-/Wochenend-/Nachtzuschlag: Sonderzahlung, die bei zusätzlicher geleisteter Arbeit bzw. geleisteter Arbeit außerhalb der regulären Arbeitszeit, anfällt.
  • Leistungsprämie: Sonderzahlung, die für besondere persönliche Leistung ausgezahlt wird; Ist häufig an die Erreichung vordefinierter persönlicher Ziele gekoppelt.
  • Gewinnbeteiligung: Sonderzahlung, die an den wirtschaftlichen Erfolg des Arbeitsgebers gekoppelt ist.
  • Vermögenswirksame Leistungen: Sparzulage des Arbeitgebers, z.B. für einen Bausparvertrag
  • Sachleistungen: Arbeitgeberleistungen, die über eine rein monetäre Bezahlung hinausgehen, z.B. betrieblicher Kindergarten, Nutzung eines Fitnessstudios, Handy/Laptop mit Privatnutzung, Mitarbeiterrabatte.